Das Equine Metabolische Syndrom beim Pferd (EMS)Viele Pferde neigen heutzutage unter Überfütterung. Als Steppentiere ernährten sie sich ausschließlich von nährstoffarmem Gras und mussten sich zur Nahrungsaufnahme 16 Stunden am Tag bewegen. Heute stehen sie oft 23 Stunden am Tag in der Box und bewegen sich zuwenig. Nährstoffe werden ihnen in konzentrierter Form zugeführt (Kraftfutter) und Heu in nährstoffreicher guter Qualität vorgelegt, ohne dass sie sich dafür bewegen müssen. Dies führt oft zu übermäßiger Fettdepot-Bildung, die für das Pferd lebensgefährlich werden kann. Bei untypischen Fettdepots an Mähnenkamm, Schulter, über den Augen, auf der Kruppe und vor dem Schweifansatz muss unbedingt an das Metabolische Syndrom gedacht werden! Das Fettgewebe dieser Fettdepots beginnt, Kortisol zu produzieren und bringt damit den gesamten Stoffwechsel durcheinander. Kortisol treibt den Blutzuckerspiegel hoch und als Folge auch den Insulinspiegel. Insulin ist dafür zuständig, den Blutzuckerspiegel wieder abzusenken, indem es den Blutzucker (Glucose) in Zellen einschleust. Wenn aber permanent Insulin produziert wird, stumpfen die Zielzellen mit der Zeit ab (Insulinresistenz). Die Zellen reagieren nicht mehr auf das Insulin und schleusen keine Glucose in ihr Inneres. Der Blutglucosespiegel wie auch der Insulinspiegel sind permanent erhöht. Leider wirken beide in erhöhter Konzentration giftig auf die Zellen der Huflederhaut. Es kommt zu einer Entzündung der Huflederhaut, zu Hufrehe. Die entzündete Huflederhaut, die zwischen Hufbein (Knochen) und Hornwand liegt, sondert Flüssigkeit ab und lockert damit die Verbindung des Hufbeins mit der Hornwand. Es kommt zu Hufbeinrotation und evtl. auch zur Hufbeinabsenkung in der Hornkapsel. Beides ist sehr gefürchtet, bedeutet es doch sehr starke Schmerzen für die Pferde. Bei vielen EMS-Pferden beginnt die Rehe auch schleichend und wird erst nur vom Schmied an der verbreiterten weißen Linie bemerkt. Irgendwann genügt dann aber nur ein unbedeutender Auslöser und die Pferde erleiden einen Reheschub. Spätestens jetzt, aber natürlich am besten schon viel früher, wird EMS diagnostiziert. Dies geschieht durch einen Bluttest, bei dem Insulin und Glucose bestimmt werden. Sind beide oder auch nur der Insulinspiegel erhöht, geht man von EMS aus. Die Pferde müssen stark abnehmen, damit das kortisolproduzierende Fettgewebe abgebaut wird. Dazu wird ihnen jegliches Kraftfutter entzogen und das Heu rationiert und gewaschen. Dazu wird das Heu ½ bis 1 Stunde in kaltes Wasser eingeweicht und dann ohne das Wasser gefüttert. Im Wasser sind die leicht verdaulichen Kohlehydrate (v.a. Fruktan) gelöst, die man bei EMS-Pferden stark reduzieren muss. Auch nach dem Abnehmen müssen EMS-Pferde besonders gefüttert werden: es muss praktisch gänzlich auf leicht verdauliche Kohlenhydrate verzichtet werden, denn diese würden den Blutzuckerspiegel und damit den Insulinspiegel wieder stark hochtreiben. Somit sind folgende Futtermittel für EMS-Pferde verboten: Getreide, Mais Kraftfutter Zucker, Melasse, melassierte Rübenschnitzel Brot, Weizenkleie Gras und Heu, Luzerne (viel Fruktan) Bananen,… Alle enthalten viel bis mittelviel leichtverdauliche Kohlenhydrate und müssen vermieden werden, um einen erneuten Reheschub zu vermeiden bzw. den aktuellen Reheschub zu verkürzen.Erlaubt sind noch folgende Futtermittel: Gewaschenes Heu Stroh Mineralfutter ohne Zucker oder Stärke (z.B. Speedy Balancer oder MicroVital oder Life Data Barn Bag) Unmelassierte Rübenschnitzel (z.B. Speedy Beets) Spezielle Müslis für EMS-Pferde (z.B. St. Hippolyt Equigard, Mühldorfer Pferdefutter Low Glycämic, Nösenberger Reha/e, Ovator Pega Plus Reha Müsli) Reiskleie (Achtung Doping wegen Reiskeimöl!) Eingeschränkt dürfen verfüttert werden: Äpfel, Karotten Gras (saisonale, tageszeiten- und wetterabhängige Fruktangehalte beachten! Gestresstes Gras enthält viel schädliches Fruktan! Gras ist z. B. gestresst bei starkem Verbiss und bei Frost und lagert bei kaltem sonnigen Wetter extrem viel Fruktan in die Halme ein, genaueres im Internet…) Für leichtfuttrige Rassen empfehlen wir reine Heu- und Stroh-Fütterung (Heu gewaschen), ergänzt mit Barn Bag. Nur wenn eine Zufütterung unerlässlich ist, da das Pferd sonst abmagert oder weil es hohe sportliche Leistung erbringen muss, kann auf die oben genannten speziellen Kraftfutter zurückgegriffen werden. Ungefährliche Energiezufuhr kann man auch durch Zufütterung von Speiseöl erreichen, aber nur bei sehr hohem Energiebedarf! Muss das Pferd z.B. Medikamente mitfressen, kann man gut unmelassierte Rübenschnitzel geben. Hier noch eine Liste der Glykämischen Indexe verschiedener Futtermittel (EMS-Pferde sollen keine Futtermittel mit hohem glykämischen Index bekommen!) | Mais | 117 | | Melassierter Hafer | 105 | | Gerste | 101 | | Hafer | 100 | | Melassierte Luzerne | 71 | | Karotten | 51 | | Weizenkleie | 37 | | Luzerneheu | 26 | | Reiskleie | 22 | | unmelassierte Rübenschnitzel | 1 |
Außerdem müssen EMS-Pferde täglich ausreichend Bewegung haben! Offenstallhaltung mit permanenter Bewegung wäre natürlich am besten, täglich eine halbe Stunde Schritt und Trab verringern das Reherisiko aber auch schon beträchtlich! Die Bewegung muss natürlich an eventuell bestehende Hufrehe angepasst werden! Noch hufgesunde, aber zu dicke Pferde sollten täglich mindestens eine Stunde gut bewegt werden und mehrere Stunden Auslauf haben. |