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Innere Erkrankungen
Kolik PDF Drucken E-Mail

Koliken

Kolik ist der Überbegriff für Bauchschmerzen und umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Formen oder Ursachen.  Während sich einige konservativ, das bedeutet mit Hilfe von Infusionen, Medikamenten und anderen unterstützenden Maßnahmen, beheben lassen, ist bei anderen eine Operation unumgänglich. Neben der klinischen Untersuchung geben die rektale Untersuchung, das Schieben der Nasenschlundsonde und die transabdominale Sonographie Auskunft über Ursache und Schwere der Kolik. Desweiteren helfen Laboruntersuchungen von Blut und Bauchhöhlenflüssigkeit die Entscheidung für oder gegen eine Operation zu treffen.

Magenspiegelungen

Indikationen für eine Gastroskopie (Magenspiegelung) stellen rezidivierende Koliken zeitnah zur Fütterung oder Stresssituationen dar. Viele Sportpferde, aber auch rangniedere Tiere und ein Großteil der Fohlen leiden unter gastritischen Veränderungen oder sogar blutenden Magengeschwüren. Die Untersuchung erfolgt am sedierten, stehenden Pferd und gibt zuverlässig Auskunft über Veränderungen der Magenschleimhaut. Die Inzidenz dieser Erkrankung, auch im Freizeitpferdebereich, ist relativ hoch. Die Ursachen sind vielfältig und reichen vom Magendasselbefall bis hin zu mentalem Stress, beispielsweise ausgeprägter Futterneid. Nach erfolgter Diagnose  lässt sich die Erkrankung  mit den richtigen Medikamenten und unterstützendem Fütterungsmanagment gut beheben.
 
Stoffwechselerkrankungen PDF Drucken E-Mail

Stoffwechselerkrankungen

Die meisten Stoffwechselerkrankungen äußern sich über Sekundärprobleme, beispielsweise eine Hufrehe beim Equinen Metabolischen respektive Cushing Syndrom, und lassen sich über verschiedene Laboruntersuchungen sicher diagnostizieren. Der damit verbundene zeitliche Aufwand erfordert oft das Einstellen in die Klinik, so zum Beispiel beim Dexamethasonsuppresionstest zur Cushing-, oder der Glucosetoleranztest zur Diagnostik des Malabsorptionssyndroms. Beide Tests erfordern eine mehrmalige Blutentnahme über einen mehrstündigen Zeitraum sowie eine sofortige Aufbereitung der Proben zur weiteren Analyse. Nach erfolgter Diagnose kann eine entsprechende Behandlung das Leben Ihres Pferdes entscheidend verbessern, bzw. im Extremfall sogar retten (Hyperlipämie).
 
EMS PDF Drucken E-Mail

Das Equine Metabolische Syndrom beim Pferd (EMS)

Viele Pferde neigen heutzutage unter Überfütterung. Als Steppentiere ernährten sie sich ausschließlich von nährstoffarmem Gras und mussten sich zur Nahrungsaufnahme 16 Stunden am Tag bewegen. Heute stehen sie oft 23 Stunden am Tag in der Box und bewegen sich zuwenig. Nährstoffe werden ihnen in konzentrierter Form zugeführt (Kraftfutter) und Heu in nährstoffreicher guter Qualität vorgelegt, ohne dass sie sich dafür bewegen müssen.

Dies führt oft zu übermäßiger Fettdepot-Bildung, die für das Pferd lebensgefährlich werden kann. Bei untypischen Fettdepots an Mähnenkamm, Schulter, über den Augen, auf der Kruppe und vor dem Schweifansatz muss unbedingt an das Metabolische Syndrom gedacht werden! Das Fettgewebe dieser Fettdepots beginnt, Kortisol zu produzieren und bringt damit den gesamten Stoffwechsel durcheinander. Kortisol treibt den Blutzuckerspiegel hoch und als Folge auch den Insulinspiegel. Insulin ist dafür zuständig, den Blutzuckerspiegel wieder abzusenken, indem es den Blutzucker (Glucose) in Zellen einschleust. Wenn aber permanent Insulin produziert wird, stumpfen die Zielzellen mit der Zeit ab (Insulinresistenz). Die Zellen reagieren nicht mehr auf das Insulin und schleusen keine Glucose in ihr Inneres. Der Blutglucosespiegel wie auch der Insulinspiegel sind permanent erhöht. Leider wirken beide in erhöhter Konzentration giftig auf die Zellen der Huflederhaut. Es kommt zu einer Entzündung der Huflederhaut, zu Hufrehe. Die entzündete Huflederhaut, die zwischen Hufbein (Knochen) und Hornwand liegt, sondert Flüssigkeit ab und lockert damit die Verbindung des Hufbeins mit der Hornwand. Es kommt zu Hufbeinrotation und evtl. auch zur Hufbeinabsenkung in der Hornkapsel. Beides ist sehr gefürchtet, bedeutet es doch sehr starke Schmerzen für die Pferde.

Bei vielen EMS-Pferden beginnt die Rehe auch schleichend und wird erst nur vom Schmied an der verbreiterten weißen Linie bemerkt. Irgendwann genügt dann aber nur ein unbedeutender Auslöser und die Pferde erleiden einen Reheschub. Spätestens jetzt, aber natürlich am besten schon viel früher, wird EMS diagnostiziert. Dies geschieht durch einen Bluttest, bei dem Insulin und Glucose bestimmt werden. Sind beide oder auch nur der Insulinspiegel erhöht, geht man von EMS aus.

Die Pferde müssen stark abnehmen, damit das kortisolproduzierende Fettgewebe abgebaut wird. Dazu wird ihnen jegliches Kraftfutter entzogen und das Heu rationiert und gewaschen. Dazu wird das Heu ½ bis 1 Stunde in kaltes Wasser eingeweicht und dann ohne das Wasser gefüttert. Im Wasser sind die leicht verdaulichen Kohlehydrate (v.a. Fruktan) gelöst, die man bei EMS-Pferden stark reduzieren muss.

Auch nach dem Abnehmen müssen EMS-Pferde besonders gefüttert werden: es muss praktisch gänzlich auf leicht verdauliche Kohlenhydrate verzichtet werden, denn diese würden den Blutzuckerspiegel und damit den Insulinspiegel wieder stark hochtreiben.

Somit sind folgende Futtermittel für EMS-Pferde verboten:

Getreide, Mais
Kraftfutter
Zucker, Melasse, melassierte Rübenschnitzel
Brot, Weizenkleie
Gras und Heu, Luzerne (viel Fruktan)
Bananen,…
Alle enthalten viel bis mittelviel leichtverdauliche Kohlenhydrate und müssen vermieden werden, um einen erneuten Reheschub zu vermeiden bzw. den aktuellen Reheschub zu verkürzen.

Erlaubt sind noch folgende Futtermittel:
Gewaschenes Heu
Stroh
Mineralfutter ohne Zucker oder Stärke (z.B. Speedy Balancer oder MicroVital oder Life Data Barn Bag)
Unmelassierte Rübenschnitzel (z.B. Speedy Beets)
Spezielle Müslis für EMS-Pferde (z.B. St. Hippolyt Equigard, Mühldorfer Pferdefutter Low Glycämic, Nösenberger Reha/e, Ovator Pega Plus Reha Müsli)
Reiskleie (Achtung Doping wegen Reiskeimöl!)
Eingeschränkt dürfen verfüttert werden:
Äpfel, Karotten
Gras (saisonale, tageszeiten- und wetterabhängige Fruktangehalte beachten! Gestresstes Gras enthält viel schädliches Fruktan! Gras ist z. B. gestresst bei starkem Verbiss und bei Frost und lagert bei kaltem sonnigen Wetter extrem viel Fruktan in die Halme ein, genaueres  im Internet…)
Für leichtfuttrige Rassen empfehlen wir reine Heu- und Stroh-Fütterung (Heu gewaschen), ergänzt mit Barn Bag. Nur wenn eine Zufütterung unerlässlich ist, da das Pferd sonst abmagert oder weil es hohe sportliche Leistung erbringen muss, kann auf die oben genannten speziellen Kraftfutter zurückgegriffen werden. Ungefährliche Energiezufuhr kann man auch durch Zufütterung von Speiseöl erreichen, aber nur bei sehr hohem Energiebedarf!
Muss das Pferd z.B. Medikamente mitfressen, kann man gut unmelassierte Rübenschnitzel geben.
Hier noch eine Liste der Glykämischen Indexe verschiedener Futtermittel (EMS-Pferde sollen keine Futtermittel mit hohem glykämischen Index bekommen!)

 Mais
117
 Melassierter Hafer
 105
 Gerste
 101
 Hafer
 100
 Melassierte Luzerne
 71
 Karotten
 51
 Weizenkleie
 37
 Luzerneheu
 26
 Reiskleie
 22
 unmelassierte Rübenschnitzel
 1

Außerdem müssen EMS-Pferde täglich ausreichend Bewegung haben! Offenstallhaltung mit permanenter Bewegung wäre natürlich am besten, täglich eine halbe Stunde Schritt und Trab verringern das Reherisiko aber auch schon beträchtlich! Die Bewegung muss natürlich an eventuell bestehende Hufrehe angepasst werden! Noch hufgesunde, aber zu dicke Pferde sollten täglich mindestens eine Stunde gut bewegt werden und mehrere Stunden Auslauf haben.

 

 


 

Tierärztliche Klinik für Pferde
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Dr. Wigo Horstmann
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